UNESCO-Welterbe

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Das Erzgebirge auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

Die Tschechische Republik und der Freistaat Sachsen arbeiten zusammen, um die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in die Liste des UNESCO-Welterbes aufzunehmen. Die durch den Bergbau hervorgerufenen Entwicklungen in dieser Region waren unabhängig der politischen Grenze über Jahrhunderte eng miteinander verbunden.

Außergewöhnlicher universeller Wert

Was macht die Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří im weltweiten Kontext herausragend?

Die Begründung für die Aufnahme der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in die Welterbeliste ergibt sich insbesondere aus:

1) den technologischen und wissenschaftlichen Errungenschaften des Montanwesens

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die herausragende Bedeutung und den starken globalen Einfluss des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus als Zentrum für technologische und wissenschaftliche Innovation von der Renaissance bis in die Moderne. In unterschiedlichen Epochen der Bergbaugeschichte gingen von der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří bedeutende Errungenschaften im Zusammenhang mit dem Montanwesen aus, die erfolgreich in andere Bergbauregione welweit übertragen wurden oder nachfolgende Entwicklungen maßgeblich beeinflusst haben, darunter beispielsweise Innovationen zur Wasserhebung oder zur Erzverhüttung, die Erstellung erster geologischer Karten, der Druck erster bergbautechnischer Lehr- und Sachbücher (z. B. Georgius Agricola: De re metallica, 1556) oder die Gründung der ersten noch existierenden Montanhochschule der Welt in Freiberg (1765).

2) der Herausbildung eines staatlich-kontrollierten Bergbauwesens

Das im Erzgebirge entwickelte und später in ganz Europa weit verbreitete staatlich-kontrollierte Bergbausystem (Direktionsprinzip) hat nicht nur die Bergbauverwaltung als solche revolutioniert, sondern wirkte sich auch auf das Rechtswesen und die Finanzierung von Bergbauprojekten aus. Es war damit ein Hauptantrieb für die dynamische Entwicklung des Bergbaus in der Region. Darüber hinaus hat es auch die gesellschaftlichen Umstände geprägt und die Herausbildung einer auf dem Bergbau beruhenden Kultur (siehe u. a. Bergparaden) begünstigt.

3) der Herausbildung einer vom Bergbau geprägten montanen Kulturlandschaft

Auf Grundlage der außergewöhnlichen Vielfalt an Erzen und deren Konzentration auf bestimmte Bereiche entstand vom 12. bis 20. Jahrhundert durch das Montanwesen eine grenzübergreifenden montane Kulturlandschaft, die bis heute an den Bergstädten und den zugehörigen Erzbergbaulandschaften sichtbar und so im weltweiten Kontext einzigartig ist.

22 Bestandteile

Die Welterbe-Bedeutung der Region ist heute noch anhand des erhaltenen Bergbauerbes sichtbar.

Insgesamt setzt sich die Nominierung aus 22 Bestandteilen zusammen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. Gemeinsam vermitteln sie das Bild einer vom Bergbau geprägten historischen Kulturlandschaft. Die ausgewählten Kulturlandschaften mit ihren charakteristischen bergbaulichen Sachzeugen repräsentieren die Bedeutung der Region aus globaler Sicht, die wichtigsten Erzbergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Jeder Bestandteil beinhaltet verschiedene, mit dem Montanwesen in Verbindung stehende Objekte (allein etwa 400 auf sächsischer Seite).

Die Bestandteile setzen sich aus über- und untertägigen Sachzeugen des Montanwesens, historischen Bergstädten und charakteristischen Landschaftsmerkmalen, wie Pingen und Haldenzügen, zusammen.

Nur in der Verbindung aller 22 Bestandteile liegt der außergewöhnliche universelle Wert der künftigen Welterbestätte begründet. Um eine umfassendere Vermittlung des montanhistorischen Erbes der Region zu ermöglichen, wurden mehrere Einzelstandorte als „assoziierte Objekte“ zum Welterbe ergänzt.

Die Zusammensetzung der Bestandteile

Viele bergbauhistorisch bedeutende Denkmale sind im Erzgebirge erhalten geblieben. Sie zeugen vom prägenden Einfluss des Montanwesens auf die Landschafts- und Stadtentwicklung, aber auch auf Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technik.

Zu den landschaftlich sichtbaren Spuren des Bergbaus zählen u. a. Seifengebiete, Pingen- und Haldenzüge sowie Anlagen der wasserwirtschaftlichen Versorgung, darunter Kunstgräben, Kunstteiche oder Kanäle. Aber auch unmittelbar mit der Besiedlung bzw. Entwicklung der montanen Kulturlandschaft verbundene agrarische Strukturen (z. B. Steinrückenlandschaften) und Forstgebiete sind Teil der Welterbenominierung.

Ein weiteres Hauptaugenmerk der Bewerbung liegt auf den übertägigen und untertägigen Bergbauanlagen, von denen technologische und wissenschaftliche Errungenschaften in die Welt ausgingen. Schachtanlagen und Hüttenkomplexe aus verschiedenen Epochen gehören ebenso dazu, wie untertägige Abbaue, Radstuben oder Maschinenräume mit erhaltener Technik (z. B. Wassersäulenmaschinen) und Abbauspuren (z. B. vom Feuersetzen).

Vom Reichtum, den der Bergbau über die Jahrhunderte hervorbrachte, zeugen die prachtvollen Bergstädte mit ihren administrativen, sakralen und profanen Bauwerken.

Die Bergbauperioden im Erzgebirge

Der Erzreichtum und der darauf beruhende Bergbau gaben dem Erzgebirge seinen Namen und schufen die Grundlage dafür, dass sich das Erzgebirge auf sächsischer sowie auf böhmischer Seite zu wirtschaftlichen, kulturell und zeitweise auch politisch bedeutenden Regionen in Mitteleuropa entwickelte. Der Bergbau prägt seit über Jahrhunderten die Landschaft und Kultur der Region. Er beeinflusste nicht nur die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Länder Sachsen und Böhmen, sondern hatte auch einen Einfluss auf andere Bergbauregionen national und international.

Bislang können sechs Bergbauperioden zwischen dem 12. und dem 21. Jahrhundert nachgewiesen werden, die eine mehr als 800jährige Geschichte des erzgebirgischen Montanwesens und seiner Bedeutung für die Entwicklung der montanen Kulturlandschaft aufzeigen:

  1. Bergbauperiode: Beginn des Bergbaus (1168-1450)
  2. Bergbauperiode: Städtegründungen und Blütezeit (1450-1620)
  3. Bergbauperiode: Krieg und Wiederaufbau (1620-1750)
  4. Bergbauperiode: Beginnende Industrialisierung (1750-1850)
  5. Bergbauperiode: Liberalisierung des Montanwesens (1850-1945)
  6. Bergbauperiode: Bergbau im Zeitalter des Sozialismus (1945-1990)

Aus der Region – Für die Region

Wie ist der Stand des Bewerbungsverfahrens und wie wird das UNESCOWelterbe zukünftig organisiert?

Im Sommer 2019 wird die Entscheidung des UNESCO-Welterbekomitees zum Welterbeantrag erwartet. Die Idee und die Förderung der Welterbe-Nominierung erfolgten auf Initiative von engagierten Bürgern und Institutionen beiderseits der Grenze. In Sachsen schlossen sie sich 2003 im Förderverein Montanregion Erzgebirge e. V. und auf der tschechischen Seite 2010 in der Montanregion Krušné hory - Erzgebirge, o.p.s. (gGmbH) zusammen. Durch den verbindlichen Zusammenschluss der Landkreise, Städte und Gemeinden als Projektträger auf sächsischer und auch auf tschechischer Seite wurde die Realisierung des Antragsverfahrens ermöglicht.

Der Schutz und Erhalt, aber auch die Präsentation der künftigen UNESCO-Welterbestätte werden auf deutscher Seite vom Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V. koordiniert, der sich aus den am Welterbe beteiligten Kommunen und Landkreisen als Mitglieder zusammensetzt. Auf tschechischer Seite ist die Montanregion Krušné hory – Erzgebirge, o.p.s (gGmbH) verantwortlich.

Welterbe erleben

Idyllische Landschaften, einmalige Flusstäler und malerische Ortschaften haben ihren Ursprung in der 850jährigen Bergbaugeschichte, der das Erzgebirge seinen Reichtum, seinen Namen und seine wirtschaftliche Bedeutung verdankt. Die Region ist aber auch für ihre tief verankerten Traditionen und Bräuche bekannt, die hier noch authentisch gelebt werden. So sind zum Beispiel Bergparaden und Mettenschichten noch heute fester Bestandteil der Winter- und Weihnachtszeit im Erzgebirge.

Das Erzgebirge lockt mit außergewöhnlichen Angeboten über- und untertage. Ein Besuch der vielen untertägigen „Schatzkammern“ der Region lohnt sich und kann wunderbar mit den attraktiven Rad-, Wander- und Wellnessangeboten der „Erlebnisheimat Erzgebirge“ verbunden werden. 

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