UNESCO-Welterbe

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Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Im Jahr 2019 wurde die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als gemeinsames Erbe der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik in die Liste des UNESCO-Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen. Diese Auszeichnung zeugt nicht nur von den Leistungen der Bergleute aus dem Erzgebirge in der Vergangenheit und der herausragenden weltweiten Bedeutung des erzgebirgischen Bergbaus von der Renaissance bis zur Neuzeit, sondern auch von dem unermüdlichen Einsatz der Menschen auf beiden Seiten der sächsischen und tschechischen Grenze über viele Jahrzehnte hinweg, dieses einzigartige historische Erbe zu bewahren.

Der außergewöhnliche Rohstoffreichtum des Erzgebirges war ausschlaggebend für eine 800-jährige, auf dem Montanwesen beruhende Entwicklung der gesamten Region. Vom 12. bis in das 20. Jahrhundert hinein war der Bergbau die dominierende Wirtschaftsform und prägte die Herausbildung der heutigen Kulturlandschaft entscheidend. Die reichen Funde von Silber, Zinn, Kobalt und Uran wurden zum Wegbereiter für herausragende wissenschaftliche Errungenschaften, wegweisende Innovationen im Bergbau und Hüttenwesen sowie für die Herausbildung eines Ausbildungssystems und einer Bergbauverwaltung, die die Entwicklungen in anderen Bergbauregionen weltweit maßgeblich prägten.

Entscheidend für die Eintragung einer Stätte auf die UNESCO-Welterbeliste ist die Erklärung zum außergewöhnlichen universellen Wert, die die Einzigartigkeit dieser Stätte im internationalen Vergleich begründet. Bei Welterbestätten muss nachgewiesen werden, dass jede nominierte Stätte mindestens eines der sechs in den Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt festgelegten Kriterien erfüllt. Am 6. Juli 2019 bestätigte das Welterbekomitee, dass die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří drei dieser Kriterien erfüllt, nämlich die Kriterien ii), iii) und iv).

Kriterium (ii):

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die herausragende Rolle und den bedeutenden globalen Einfluss, den das sächsisch-böhmische Erzgebirge als Zentrum für technologische und wissenschaftliche Innovationen von der Renaissance bis in die Neuzeit spielte. Bedeutende mit dem Bergbau in Verbindung stehende Errungenschaften verdanken sich dieser Region, wurden von hier aus erfolgreich weitergegeben oder beeinflussten die Entwicklungen in anderen Bergbauregionen. Der rege internationale Austausch und der Wissenstransfer äußern sich besonders in der Entwicklung des bergmännischen Ausbildungssystems und in der kontinuierlichen Wanderbewegung erzgebirgischer Bergleute in andere Bergbauregionen weltweit.

Kriterium (iii):

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Zeugnis der weitreichenden Einflüsse des Bergbaus auf alle gesellschaftlichen Bereiche, die auch die immaterielle Dimension lebendiger Traditionen, Ideen und Vorstellungen der erzgebirgischen Kultur verdeutlichen. Die Organisation und die hierarchische Verwaltung des erzgebirgischen Bergbaus sind grundlegend für das Verständnis der Bergbautraditionen. Der staatlich kontrollierte Bergbau beeinflusste in der Folge das ökonomische, rechtliche, administrative und soziale System des Bergbaus in allen Bergbauregionen Kontinentaleuropas.

Kriterium (iv):

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří repräsentiert eine zusammenhängende Bergbaulandschaft, deren Wirtschaft vom 12. bis 20. Jahrhundert maßgeblich vom Bergbau geprägt wurde. Gut erhaltene Abbaue, technologische Ensembles und Landschaftsmerkmale zeugen von allen bekannten wichtigen Abbau- und Aufbereitungstechnologien vom Spätmittelalter bis zur Neuzeit sowie von der Entwicklung umfangreicher, anspruchsvoller Wasserwirtschaftssysteme über und unter Tage. Die Bergbauaktivitäten führten zu einer beispiellosen Entwicklung einer dichten Siedlungsstruktur sowohl in den Tälern als auch in sehr hohen Berglagen, die eine enge Verbindung zu den umliegenden Bergbaulandschaften aufweisen.

Bestandteile der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Insgesamt setzt sich die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří aus 22 Bestandteilen zusammen, die insgesamt den über 800 Jahre währenden Umwandlungsprozess dieses Gebiets aufgrund von Bergbauaktivitäten verdeutlicht. 17 dieser Bestandteile befinden sich auf sächsischer und fünf auf tschechischer Seite. Jeder dieser 22 Bestandteile kann einer der fünf Erzbergbaulandschaften zugeordnet werden, die das Erscheinungsbild der Montanregion bis heute charakterisieren:

  • Bergbaulandschaften des Silberbergbaus des 12. bis 20. Jahrhunderts
  • Bergbaulandschaften des Zinnbergbaus des 14. bis 20. Jahrhunderts
  • Bergbaulandschaften des Kobaltbergbaus des 16. bis 18. Jahrhunderts
  • Bergbaulandschaften des Eisenbergbaus des 14. bis 19. Jahrhunderts
  • Bergbaulandschaften des Uranbergbaus vom 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts

Der außergewöhnliche universelle Wert der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří kann alleine in der Kombination aller 22 Welterbe-Bestandteile beurteilt werden.

Die Welterbe-Bestandteile umfassen in der Regel größere landschaftliche Einheiten (Erzbergbaulandschaften), die kulturelle, funktionale, soziale und administrative Zusammenhänge sowie das Zusammenspiel innerhalb und zwischen den Bergbaugebieten darstellen. Die verschiedenen Erzbergbaulandschaften ermöglichen einen umfassenden Einblick in den Abbau und die Verarbeitung der bedeutendsten Rohstoffe. Sie belegen die Bergbautechnologien der verschiedenen Bergbauperioden bis zur Schließung der Bergwerke um 1990. Gemeinsam bezeugen die ausgewählten Bergbaulandschaften alle wichtigen Meilensteine in der Geschichte sowie die Dynamik einer grenzübergreifenden Bergbauregion.

Jede Bergbaulandschaft beinhaltet bedeutende, mit dem Bergbau in Verbindung stehende Denkmäler und landschaftliche Merkmale (kennzeichnende Elemente und Welterbe-Standorte) wie Bergwerke, Aufbereitungsanlagen, Wassermanagementsysteme, Halden und Pingen oder Bergstädte. Sie tragen wesentlich zum Verständnis der Landschaften bei und sind die zentralen „Vermittler“ des außergewöhnlichen universellen Wertes.

 

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